Die neue Serie von Veroinca Roth - Top oder Flop?

11 August 2017

"Wofür sind diese Mahle?"
"Der Tod ist gnädig im Vergleich zu dem Schmerz, den ich verursacht habe. Also markiere ich Schmerz, nicht Tötungen. Jedes dieser Zeichen steht für jemanden, dem ich wehgetan habe, weil Ryzek es mir befohlen hat."
(S. 208)





Titel: Rat der Neun- Gezeichnet
Autor: Veronica Roth
Seitenanzahl: 609
Erschienen am: 17. Januar 2017
Verlag: cbt
Leseprobe: Klick hier





Inhalt

Ein Plante. Zwei verfeindete Völker.
Akos und Cyra, von der jeweils anderen Seite, lernen von der ersten Stunde ihres Lebens an, die anderen zu hassen und zu fürchten. Dabei sind beide schicksalsgesegnet und scheinen ein vorgeschriebenes Ende zu haben. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt, als Akos entführt und in den Dienst des verfeindeten Nachbarn gezwungen wird. Der Schutz der Schwester des tyrannischen Machthabers soll von nun an seine Pflicht werden, Cyra. Misstrauen und Gegensätze bestimmen zunächst ihre Beziehung, der eine nutzt den anderen aus. Doch schnell merken sie, dass sie das gleiche Ziel verfolgen:
Freiheit.
Nun bleibt bloß der Rest der Galaxie, gegen den sie gemeinsam ankommen müssen, angefangen bei Cyras grausamen Bruder, der vor keinen Mitteln zurück schreckt, die Macht des ganzen Planeten an sich zu reißen.


Erster Satz


Die Rauschblumen blühten nur in der längsten Nacht.


Meine Meinung


Ich weiß natürlich nicht, wie ihr die ersten Kapitel des Buches gelesen habt, aber ich ging mit gemischten Gefühlen an den Rat der Neun. Die Autorin hat sich ja mit der Divergent/Unbestimmt Serie in den letzten Jahren einen großen Namen erschrieben, jedoch fand ich ihre Romane nicht durchgehen positiv: Teil eins hat mich unvorbereitet von den Socken gehauen und jede Faser meines Teenie-Seins begeistert. Die Fortsetzung war dann so sterbenslangweilig, dass ich es kaum bis zum Ende gepackt habe und Band drei erst Jahre später gelesen habe. Den fand ich zunächst ähnlich schlecht wie seinen Vorgänger und erst die letzten 200 Seiten konnten wieder meine Leidenschaft für die Trilogie entfachen. Selbstverständlich hat sich vor allem der Ausgang sehr in mein Gedächtnis gebrannt, so schnell habe ich selten eine Taschentücherbox aufgebraucht (und das will schon was bei mir heißen).
Wie würde also die neue Serie werden? Bloß ein fahler Abklatsch der Dystopie Welt von Tris und Four? Oder doch etwas ganz anderes? Die Kritiken sind ja nun wirklich gespalten und damit nicht all zu "hilfreich". Ich musste mir also ein eigenes Bild verschaffen.

Was ich schon mal klar sagen kann, ist, dass es keine Kopie der Unbestimmt Serie ist, was ich großartig finde. Selbstverständlich ist das nämlich nicht. Ich ertappe öfters Autoren, die nach einer großen Erfolgsserie sich an eine neue heranwagen und im Grunde genommen genau das gleiche schreiben bloß mit anderen Namen (*hüstel* Derek Landy).
Aus meiner Sicht also ein erster, großer Pluspunkt, der mir wirklich wichtig war.


Die neu kreierte Welt des Romanes finde ich ebenfalls grandios. Veronica Roth geht weiter als in Die Bestimmung mit dem System der fünf Fraktionen, welches ja eine Dystopie unserer Erde sein könnte und schafft ein völlig fremdes, originelles und spannendes Universum, welches viel Raum für weitere, mitreißende Geschichten bietet. Die Idee mit den unterschiedlichen Begabungen, Schicksalen und neun Planeten, die einen Rat bilden, finde ich wirklich klasse. Ebenso gut ist die Handlung, bei der ich mal wieder das Gefühl hatte, dass die Autorin weiß, wohin sie ihre Story bringen möchte und was jeder Rolle bevorsteht. Diesen Stil schätze ich besonders an Veronica Roth. Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht und hat einen Sinn, damit das Drama am Ende on point die perfekte Wirkung hat. Dies hat interessanterweise auch eine dunkle Seite, in Die Bestimmung - Letzte Entscheidung wurde uns ja deutlich gezeigt, wozu sie fähig und bereit ist (keine Spoiler hier ;) ). Somit habe ich ein bisschen Angst vor dem großen Finale im letzem Band, was meiner Meinung nach aber bloß die Spannung steigert, denn sonst weiß man immer, dass den Protagonisten nichts passiert und sie am Ende des Tages mit ein paar Schrammen nach Hause gehen.

Wo wir schon mal bei den Protagonisten bin, so bin ich auch hier positiv überzeugt. Wir haben eine Katniss ähnliche Heldin, Cyra, die charmant willensstark, uneitel und stur ist. Ihr Gegenstück, Akos, ist dabei mehr bzw. öfters sensibel, sympatisch und überaus geheimnisvoll, was wahrscheinlich nicht zuletzt daran liegt, dass wir ihn in einigen Kapiteln aus der dritten Perspektive erleben und Cyra die Ich-Perspektive für sich beansprucht. Zusammen ergeben sie ein ausgeglichenes, starkes und sensationelles Paar, auf das ich mich schon in den Fortsetzungen freue.

Das war doch nun einiges an Lobenswertem, was mir zu Rat der Neun - Gezeichnet eingefallen ist. Jedoch ist der Auftakt zu der neune Trilogie/Serie (?) keinesfalls fehlerfrei.
Ich hatte zum Beispiel in den ersten Kapitel extreme Schwierigkeiten, mich mit der Geschichte anzufreunden oder mir die Welt überhaupt vorzustellen. Letzteres will mir noch immer nicht so recht gelingen. Die Autorin versteht es (wahrscheinlich unfreiwillig), ab und zu ihre Leser so gelungen zu verwirren, besonders am Anfang, dass man öfters zurück blätter oder nachschlagen muss, um zu verstehen, wo und wann man sich in der Geschichte gerade befindet. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft? Sind gerade etwa zwei Jahre vergangen?

(Kleiner Tipp dazu: Ja!
Ich habe noch immer keine wirkliche Ahnung, wo genau der Zeitsprung war oder ob zu Beginn einfach nur die Vergangenheit wiederholt wurde, aber Kapitel 8 ist bis jetzt mein Hauptverdächtiger. Wenn du also gerade mit dem Buch anfängst, Achtung! 8. Kapitel, die ersten Worte "Ich erwachte mit einem Stöhnen. Jemand klopfte" bedeuten nicht, dass sie am nächsten Tag aufwacht, auch wenn sie in Kapitel 7 gerade zu Bett ging, sondern f***ing zwei Jahre später!!! Hoffe, das ersparte dir ein bisschen meinen Ärger, rauszufinden, was du gerade überhaupt liest.)


Ich hatte, bevor ich den Jahressprung verstand, wirklich Angst, dass die zwei Hauptpersonen die gesamte Geschichte über 14 Jahre alt bleiben, was ich nicht so witzig gefunden hätte. 16 finde ich da schon etwas akzeptabler. Neben solchen Missverständnissen hatte bzw. habe ich noch immer, wie bereits erwähnt, kleine Schwierigkeiten, mir die Welt und die vielen, unterschiedlichen Kulturen im Roman bildlich vorzustellen. Sei es die verschneite Landschaft Hessas, ihr Gegenstück Voa oder den Wasserplanet Pitha. Mittelalterliche Beschreibungen treffen auf alle erdenklichen Ausführungen von High Tech und lassen mich äußerst ratlos zurück.

Des weiteren... gibt es ein "Des weiteren"? Ich muss jetzt mal angestrengt nachdenken. Ach ja! Eine Kleinigkeit, wenn auch nervig. Namen! Soo viele Namen! Natürlich ist es verständlich, dass in dem ersten Band einer neuen Serie viele, neue Namen auf den Leser einprasseln, jedoch kann man dessen Leben auch extra schwer machen, indem man sich einer Klingonisch-ähnlichen Sprache bedient und sich alles gleich anhört. Ein Glossar hätte an dieser Stelle Wunder gewirkt. Lustigerweise gibt es sogar ein Glossar, aber nur für Fachbegriffe, die zum Beispiel besondere Blumen oder Planeten erklären und das ich erst entdeckt habe, als ich mit dem Buch schon fertig war.
Hier also ein zweiter Tipp: Schau dir die letzten Seiten an! Dort findest du ein semi-hilfreiches Glossar und eine wahrlich hübsche Karte des Planetensystems.


Fazit


Wo ist der Rat der Neun nun einzuordnen? Neben seinem Bruder, also dem ersten Band der Bestimmung Serie? Oder doch völlig unabhängig von jeglichen Vergleichen?
Ich entscheide mich eher für letzteres, obwohl es natürlich schwer fällt, unterschiedliche Werke des gleichen Autoren nicht doch ein bisschen nebeneinander zu stellen. Hier kam mir der Gedanke jedoch recht selten, die Bücher sind einfach wirklich unterschiedlich.
Die zahlreichen brillanten Gedanken Veronica Roths zu der Geschichte von Akos und Cyra faszinieren mich schlichtweg und ich bin mir sicher, dass uns noch viele, spannende Seiten erwarten und ein atemberaubendes Abenteuer. Nun ist der Auftakt aber nicht ohne Fehler, sondern weist gleich mehrere Störfaktoren auf (Beispiele ***), von denen ich mir verspreche, sie in den den kommenden Bänden nicht wieder anzutreffen.
Somit hege ich große Hoffnungen auf Verbesserung und freue mich gleichzeitig enorm auf Band zwei.

3,7 von 5 Punkten



Danke


an Andrea Wolf der Verlagsgruppe Random House für das spannenden Rezensionsexemplar!


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