Eine Liebeserklärung an einen Stift

17 Februar 2018


Eine Liebeserklärung an einen Stift

Auf meiner Arbeit gibt es einen Stift, einen Stift mit dem ich immer alles schreibe, sollte es ordentlich und hübsch aussehen. Meine neuen Arbeitszeiten, Notizen an Kollegen, Empfehlungen für Kunden.
Eines Tages geschah es, dass mein Kollege nach einem Zettel griff und sich den Stift aus meiner Hand schnappte. Mein geheimes Wissen um seine Fähigkeiten war kein Geheimnis mehr. Ab da stritten wir zwei uns um ihn, wann immer wir gemeinsam Schicht hatten und Chaos befiehl mein Leben.

Wieder einige Tage später: Mein privater, eigener Lieblingsstift verabschiedete sich langsam von unserer Welt und machte sich auf den Weg in eine andere, bessere. Und ich mich auf die Suche nach einem würdigen Nachfolger und Erben. Schon bald fiel mir der richtige ins Auge, es gibt Augenblicke im Leben, da weißt du einfach, wenn du ihn vor dir hast, den Einen. Ein paar Münzen wechselten den Besitzer; wer sagt, Liebe ist nicht käuflich?
Meine Unimitschriften und Notizbucheinträge stolzierten wie eh und je über die Linien, Seiten und Blätter und Friede zog wieder in meinen Alltag ein.

Kommen wir zu heute: Mein Blick schweifte kurz über den Arbeitsplatz und blieb plötzlich an einem Stift kleben. An meinem Stift! Wie kam mein Stift hierher? Dann begriff ich! Mein Stift ist auch der Stift von meiner Arbeit. Herzlich habe ich den alten Freund begrüßt. Ich weiß jetzt, von welchem Land er kommt und was seine Geschichte ist.
Mögen wir lange und glücklich schreiben.

Der Stift und ich

PS: Eben hat er mir einen schwarzen Tintenfleck verpasst, doch ich denke, ich kann ihm verzeihen.

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